Oliver Fell - Statement

(Kommentare: 16)

Oliver Fell hat einen sehr interessanten Artikel auf Facebook veröffentlicht

Autor: Oliver Fell auf Facebook

Liebe Hallenkletterer, Boulderpuffgänger und Campusboardmutanten!
Wenn ihr mal Ausgang habt, also so nach draußen geht; das ist dort, wo es nur eine Sonne gibt und nicht 20 Neonröhren; dann lest euch doch mal das Folgende durch und hirnt:
Wenn man an einen Boulderfelsen kommt und dort ist jemand, dann sagt man Hallo, fragt vielleicht wie die Bedingungen sind, was die Anwesenden so probieren, vielleicht wo man herkommt, man macht halt kurz Konversation, ist höflich und macht seinen Stiefel und berücksichtigt dabei, was die anderen am Fels so machen. Man versucht schlicht und ergreifend, die anderen möglichst wenig zu stören, hält sich etwas zurück und gut ist. Vielleicht findet man die anderen auch sympathisch, man unterhält sich. Vielleicht hat man auch dasselbe Projekt und man kann sich unterstützen, hat Ideen, kann spotten. Es ist dabei übrigens nicht außerhalb der geistigen Vorstellungkraft, wenn man nach einem Versuch mal über die Griffe bürstet.

Man darf auch nach einem Fehlversuch fluchen. Gegen ein „Fuck“ oder sonst was hat niemand was. Es kann auch mal laut werden, aber dann ist auch gut. Schlechte Stimmung bringt einem selbst nix und auf andere wirkt es bestenfalls nur nervend oder lächerlich. Bouldern ist ein Spiel und zu einem Spiel gehört auch verlieren. Man muss lachen können über seine eigene Schwäche.

Übrigens; der übliche Smalltalk, des „Woher“ wird mit mehr oder weniger Kenntnis über das örtliche Boulder- oder Klettergebiet des Gegenüber reflektiert und nicht über das örtliche Boulderpuff. Ein Karlsruher unterhält sich über die Pfalz und nicht über „The Rock“, ein Nürnberger über das Franggggnjura und nicht über das Café Kraft und ein Münchner über Kochel, Zillertal, Konstein, meinetwegen Buchenhain, aber nicht über die Boulderwelt.
Wenn man an einen Boulderfelsen kommt und dort ist jemand, dann tritt man nicht auf wie Graf Koks aus dem Boulderpuff, wirft man seine Sache nicht unter einen Bouldereinstieg, verstreut sein Zeug nicht unter allen Sitzstarts, schmeißt durchgeweichte, stinkende Dönertüten nicht an Einstiege und langt nicht mit seinen stinkenden Fettfingern auf alle Einstiegsgriffe. Man spuckt seine Dönerreste auch nicht in die Landschaft.

Man fragt, ob man ein unter einem Boulder liegenden Pad mitbenutzen kann, ob man auch an dem von den Anwesenden probierten Boulder mitprobieren kann. Man drängt keine anderen Leute aus dem Boulder. Das ist unhöflich und wenn man Kinder zur Seite schiebt, die gerade an einem Boulder probieren, dann lässt das nicht darauf schließen, dass man der Hallen-Hero des örtlichen Boulderpuffs ist, sondern das da längenmäßig in der Büx was zu kurz gekommen ist.
Nein, es interessiert keine Sau, wenn mit 4711 Dezibel ununterbrochen verkündet wird, dass ein Mutant auf einem Internetboulderporno einen Griff als Zange nimmt und der einzig richtige Tritt der Welt dieser wäre. Mag ja stimmen, aber es interessiert nicht, wenn es ununterbrochen mit 4711 Dezibel verkündet wird.

Leute, Lärm ist Schmutz. Es ist der Schmutz, den ihr neben euren Kippenresten, eurem Dönerauswurf, eurem Tape und eurem Chalkpapier hinterlasst. Verkündet eure Kenntnisse euren Gesprächspartnern und nicht der ganzen Welt! Haltet euch etwas zurück und geht nicht davon aus, dass andere eure Stärke, euer im Internet angeeignetes Boulderwissen interessiert. Und plärrt nicht alle zwei Sekunden „Allez“ durch die Gegend; insbesondere dann nicht, wenn es gegenüber anderen Leuten erschallt, den ihr durch euer Verhalten gezeigt habt, dass euch diese Leute vollkommen wurscht sind, weil ihr euch als Mittelpunkt der Welt fühlt.

Und nein, es ist nicht lustig, plärrende MP3-Playern am Fels lauschen zu dürfen.
Und wenn man euch dreimal gebeten hat, diese scheiß Filmkamera aus der Landezone eines anderen, gerade probierten Boulders auch wieder wegzunehmen und es einem beim vierten Mal zu blöd ist und man mit dem Fuß bei der Landung die Kamera wegkickt (soft auf eine Matte), dann wundert euch vielleicht doch nicht...
Leute, wenn es so weiter geht, wird die Zeit kommen, in der ich rumliegende Autoschlüssel in den Wald feuern werde und meine Abflüge aus Bouldern gezielt auf Smartphones einschlagen werden…

(Teilen könnte vielleicht was nützen, aber ich habe da wenig Hoffnung...)

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Kommentar von HK |

leider viel zu oft realität...

Kommentar von Karsten |

WTF! ?!

Kommentar von Soerke |

Tja Olli, die guten kommen von draussen, die schlechten aus der Halle. Ist das dein geistiger Horizont?

Kommentar von Rolf |

Ja, das musste mal gesagt werden. Vielleicht werde ich alt, aber Umgangsformen sind etwas Wert.

Kommentar von Bleikopf |

Ich finde die Anregung an sich sehr gut, dass man sich am Fels und in der Natur zu benehmen hat. Das bedeutet Respekt vor Natur und anderern Personen. Es aber auf Hallenkletterer und Boulderer zu reduzieren ist halt etwas kurz gedacht. Und wo ich absolut dagegen bin, ist der letzte Absatz von Oliver. Absichtlich auf Smartphones landen, Autoschlüßel gegen den Fels werfen, denn das ist nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und ganz gewiss keine Lösung und erzeugt nur sinnlose Gegenreaktionen. Ich muss sagen, bevor ich mich mit solchen Mongos am Fels rum ärgere, pack ich mein Zeug ein und gehe an einen anderen, wo ich dann meine Ruhe habe.
VG
Thomas

Kommentar von Christoph Reichert |

Hehe, n bisschen Zuspitzung ist doch in dem Fall ein legitimes und sinnvolles Stilmittel! Ich unterstütze das Bemühen, diese Welt, ihre Felsen und ein vernünftiges Miteinander zu erhalten- auch auf diesem Weg!
Die Kurzform für dieses Anliegen, die ja eigentlich doch auch grad mal bei irgend(so)welchen Leuten in Mode war, ist doch das simple "respect!"; aber danke Oli, dass du mal explizit auseinanderklamüserst, was das im einzelnen alles bedeutet! Grüßle an alle Respecter und die, die es werden wollen
Christoph

Kommentar von chris |

ganz schön gefrustet...
die meisten Probleme lassen sich meist mit ein wenig netter Konversation lösen

Kommentar von Andi Hofmann |

ich finde es gut, dass das thema "verhaltensweisen" am fels angesprochen ist - gerade, weil ich gerade ein besonders ernüchterndes erlebnis hatte: um am tempel was zu probieren hatte ich eine mondo und eine kleiner matte ganz hinten im loch eingelagert. vorgestern wollte ich wieder probieren und siehe da - beide matten sind weg. ich vermute sehr stark, dass es bouldernde kollegen waren ... wer würde sich sonst mit einer mondo durch den wald quälen. mich hat das sehr ernüchtert und richtig traurig gestimmt, hatte ich mich doch immer noch in einer sozialen umgebung gewähnt, in der die leute sich freundlich gesinnt sind; mit all den facetten, die oli angeschnitten.
und so freue ich mich, dass das thema hier kursiert, wenngleich ich zahn um zahn auch weniger glücklich finde - das befeuert zumeist nur das gegeneinander.
andi

Kommentar von Oliver Fell |

Christoph hat es verstanden: "Stilmittel"

Ich fang doch keine Klopperei am Fels an und beschädige anderer Leute Zeugs, weil sie mir auf den Wecker gehen.

Ich hab das geschrieben, weil es nicht einmal passiert ist, sondern dann ich neben unzähligen angenehmen und netten Begegnungen beim Bouldern immer öfter auch nervige Erlebnisse hatte. Ich hab schon keinen Bock mehr, an einem Wochenende zu einem "Seilfelsen" zu gehen, aber jetzt fängt der Mist auch zunehmend beim Bouldern an.

Andi: Sind die Pads kenntlich? Es wäre doch "nett" wenn man solchen Leuten begegnen könnte...
Es waren noch Zeiten, als man überall seine Schlingen und sein Seil hängen lassen konnte. Jetzt muss man schon seine Pads sichern. Schöne neue Boulderwelt...

Olli

Kommentar von Söldner Roland |

Find´s auch gut, dass solche Entwicklungen mal angesprochen werden, nur leider werden die angesprochenen Leute kaum Kenntnis davon nehmen.
Knauserer, Kippenliegenlasser usw. hats früher auch schon gegeben nur nicht so viele Kletterer und somit ist deren Anzahl halt auch gestiegen. Bei mir überwiegen die netten Begegnungen bei weitem. Mit dem Ansturm auf die Felsen wird man leben müssen.
Das mit den Matten ist natürlich eine Schweinerei. Trotzdem sollte das Zeugs nicht hinterlassen werden genauso wie die perversen Riesentickmarks, Tapereste usw.
Freundliches Miteinander - Ro.

Kommentar von Jo |

@Oliver
Ach ja und wenn ein Local seine Matten hinterlässt sprich seinen Scheiss nicht mit nimmt und den Fels quasi auch nicht so hinterlässt wie er ihn vorgefunden hat, dann bist du auf seiner Seite.
Aber naja is halt kein "Indoorkletterer".
Deine Schwarz-Weiß Malerei ist total fürn Arsch und spaltet anstatt die leute zu einem respektvollen Miteinander anzuregen.
Du regst dich über leute auf die ihren scheiß da lassen, aber jammerst über vergangene Zeiten wo man sein Seil und seine Schlingen hängen lassen konnte.
Sorry aber bei deiner Doppelmoral könnt ich kotzen!

Kommentar von Zwickl |

@JO
Wie dumm bist du denn?

Es ist ja wohl ein Unterschied ob, ob man seine Matten oder Exen am Fels lässt oder seinen Müll nicht wieder mitnimmt. Ts...

Kommentar von Oliver Fell |

@Jo,

genau wegen solcher Leute, die solche Kommentare absondern, kommt mir die Speise die Röhre hoch.

Du hast keine Ahnung von Verhalten am Fels. Dass Matten -nicht sichtbar- gelegentlich am Boulder gelassen werden, ist/war üblich uns es störte sich keine Sau daran (warum auch?). Hängen Lassen von Schlingen soll bitte wen stören? Lächerliche Argumentation!

Und wenn du eine "Schmähschrift" -Stichwort Schwarz-Weiss-Malerei- nicht als solche erkennst und -wie einige andere auch- überspitzte Formulierungen im wortwörtlichen Sinne als "Argumentation" ernst nimmst, ist ein -hiermit böswillig unterstelltes- Fehlen eines gewisses Verständnis für ein normales Verhalten am Fels wohl noch das geringste Problem...

Klar eignen sich "Indoorkletterer" hervorragend als Zielobjekt für eine Schmähschrift. Warum ist das wohl so?

Ich unterstelle per se niemandem, der in einer Halle klettert oder dort mit dem Klettern angefangen hat, dass er sich draußen wie die Sau aufführt. Aber wenn -was noch selten vorkommt- gewisse nervende Verhaltensauffälligkeiten auftreten, ist es doch leider so, dass man diesen Personen recht leicht die Herkunft ihrer Klettersozialisation aus der Halle anmerkt. Und eine Schmähschrift bedingt nun mal, das man sich außerhalb der politisch-soziologischen Korrektheit eben der Überzeichnung und Verallgemeinerung bedient.

Ich erinner mich noch gut daran, wie mich vor Jahren mal ein Kletterer -der hier kommentiert hat ;-) - ziemlich derb angeredet hat, weil ich mich wegen Nichthochkommen einer Tour sinnfrei aufgeführt hatte. Der eine Satz von ihm hat gereicht, mir a) die Klappe zuzunageln und b) als weiteren Schritt einer Klettersozialisation ein gewisses Nachdenken zu erreichen. Und mein damaliges Verhalten wäre wahrscheinlich heute noch nicht mal mehr auffällig. Den in der Schmähschrift überzeichnet beschriebenen Personen waren erste vorsichtig, später deutliche Hinweise auf ihr Verhalten vollkommen wurscht. Wie in der Halle: "Wenn ich für etwas zahle, dann kann ich das auch so nutzen, wie ich das will".
Und leider scheint dieses Fun-Sport-Verhalten mit Lärm, Gedöns, Rücksichtslosigkeit, Müll immer mehr der Regelfall zu werden´; egal ob Hallenjunkie oder Outdoormooswühler. Darum geht es und sonst um nix. Unbd nein, wenn der nächste unter der Arschwippe seine Ravioli-Dose (die am nächsten Tag dann 20m weiter im Gebüsch lag) aufwärmt und den Klängen seines MP3-Plärrers lauscht, werde ich ihm keinen freundlichen Vortrag über Verhalten, Naturschutz und Naturnutzung, Jägerbefindlichkeiten oder sonst was halten. Die Leute wissen ganz genau, was Sache ist; es ist einer Minderheit aber anscheinend vollkommen egal.

Kommentar von Maik Urbczat |

....."Übertreiben macht anschaulich"!

Kommentar von jo |

Dann frag mal die Jäger bzw. Förster in der Fränkischen was die von versteckten Matten halten.
Die Probleme hinsichtlich Felssperrungen ergeben sich ja durch die Behörden und nicht, weil sich ein Kletterer von einem anderen Kletterer auf den Schlips getreten fühlt.
Meine Ahnung vom Verhalten am Fels ist, dass ich den Platz absolut so hinterlasse wie ich ihn vorgefunden habe.Soviel zum Thema "keine Ahnung".
Wenn jeder wieder seine eigene Moral fährt dann wird schwierig.
Man sollte sein Zeugs einfach wieder mitnehmen (Auch Matten und Seil).
Prinzipiell hast du ja Recht. Aber
viele der jungen Generation sind nun aber mit i phone und mp3 player groß geworden. Die wissen zum Teil eben nicht mal was sie in deinen Augen gerade falsch machen.
Ne klare Ansage hilft da im meisten Fall schon.
Probleme wird es leider immer geben, Klettern ist mittlerweile Breitensport.

Kommentar von Päddi |

Vollkommend richtig dieser Text sau guuuuut.