Teil-Sperrung Schirradorf

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Schirradorf-Sperrung


Seit kurzem ist der rechte Teil des Bouldersektors am Ortsrand von Schirradorf gesperrt. Es betrifft die Dachzone rechts an der Sitzbank, beginnend 10m links der Sitzbank nach Norden, also Richtung Parkplatz/Autobahn.

Die Sperrung geht aus von der Regierung Oberfranken und den Naturschutzverbänden. Die IG-Klettern war wohl mit einbezogen und hat sich um einen Kompromiss bemüht, musste aber das Resultat so dann hinnehmen.

IG-Klettern:Hallo Christion, die IG hatte die gleichen Argumente vorgebracht, wie du Sie hier darlegst, leider war kein vernünftiger Kompromiss möglich. Die jetzige "Regelung" beruht somit nicht auf einer Vereinbarung mit den Kletterverbänden, sondern wurde von der Behörde so beschlossen. Dem müssen wir uns fügen."

Natürlich muss man halt auch feststellen, das sie nicht den ganzen Boulderbereich gesperrt haben…was natürlich in deren Befugnis gehört….aber nur den rechten Teil. Ist ja irgendwie auch ein Kompromiss….

Das Antagonisten-Dach, die Boulder weiter links, sowie das lange Dach am Ortsrand sind nicht von der Sperrung betroffen.

Die Sperrung wurde zum Schutz des Niederliegenden Scharfkrauts ausgesprochen, das dort wohl in grosser Zahl anzutreffen ist, aber in Bayern so selten vorkommt, das es den Naturschützern so schützenswert erscheint, das diese Massnahme ergriffen wurde.

An Ort und Stelle sucht man jetzt das Kraut vergebens, da die Gemeinde hier kürzlich alles gemäht hat…

Wer mehr über das Kraut erfahren will, kann hier einen Artikel finden, der die Sorte beschreibt, aber auch deren Feindbilder…und das sind natürlich hauptsächlich Kletterer und Boulderer.

http://www.regnitzflora.de/band8/VFR_2016-2-Raab-Scharfkraut.pdf

Eigentlich sollte dieser Artikel von vielen gelesen werden, enthält er

- zum ersten wohl Interessantes über das wohl wirklich schützenswerte Kraut;

- zum zweiten aber die Denk- und Vorgehensweise des Regnitz-Flora-Verbundes, der sich ausgesprochen dem
  Kampf gegen  die Kletterer verschrieben hat und in teils populistisch anmutenden Texten (siehe diesen und andere
  Texte auf der Seite des Verbandes) die Kletterer und Boulderer zum Feindbild erklärt. Leider!

- und drittens aber ausgesprochen genau Felsen beschreibt, die sie im Visier haben und als schützenswert
  empfinden…da wird einem Angst und Bange um unter anderen Klinge,Oberailsfelder Block und Burg Rabeneck .

Es wäre schon sehr hilfreich wenn wir über diesen Verbund und seine Vorgehensweise Bescheid wissen und uns gerade an den anvisierten , aber eigentlich natürlich an allen Felsen, naturschonend/er verhalten würden.

Jetzt wurde in Schirradorf ein Beispiel gesetzt, dem bei Nichtbeachtung schnell andere Felsen folgen könnten.

Ist schon traurig, aber es einfach geschehen lassen sollten wir auch nicht…natürlich haben wir den Boulderappell, aber dieser wird durch diesen Verband als lächerlich und nicht hinreichend beschaut, und jetzt haben sie hier halt ein Exempel veranstalten können…

Aber ich kann es nicht deutlich genug sagen, Naturschutz ist wichtig, auch unser Problem und das Kraut ist eine seltene und schützenswerte Pflanze.

Christian Booms

Das Scharfkraut (Asperugo procumbens L.)

Auszug aus dem Artikel von Bernd Raab. (RegnitzFlora - Mitteilungen des Vereins zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes - Band 8, S. 17 - 31, 2016)

...Dies wird vor allem durch eine heute stark zunehmende Form des Klettersports, das Bouldern, verursacht. Es sind die Überhänge der Felsdächer, verbunden mit geringer Höhe, die ein sehr anspruchsvolles, freies und ungesichertes Klettern provozieren. Dennoch kann sich Asperugo procumbens an fast allen Kletterfelsen noch halten. Die Gründe für diese „Koexistenz“ werden weiter unten diskutiert.

Klettern/Bouldern

Des Weiteren wirkt sich auch übermäßiger Kletterbetrieb an Standorten negativ auf die Bestände aus, da die Blüte- und Samenreifezeit mit der Hauptkletteraktivitätszeit zusammenfällt. Zwar benötigt Asperugo procumbens immer wiederkehrende Bodenverletzungen zur Keimung und Besiedelung, was hier noch einmal ausdrücklich erwähnt werden soll, jedoch dürfen diese ein gewisses Ausmaß nicht überschreiten. Betreten der Fläche, Lagern, Bewegungen beim Sichern führen zu Bodenverwundungen und Blößen. Beispielhaft hierfür dürften wohl die Fundorte „Klinge“ bei Kleinziegenfeld und „Kühloch“ bei Tüchersfeld, Mühlwand in Velden oder der Ankatalturm bei Rupprechtstegen sein, welche von intensiver sportlicher und touristischer Nutzung geprägt sind. Asperugo procumbens ist dadurch weitgehend an Randbereiche verdrängt worden und nur noch in weniger optimalen Bereichen der jeweiligen Balme zu finden. Dem steht die Kletterwand unterhalb der Burg Rabenstein entgegen, wo aktuell der wohl größte Bestand liegt.

Eine erhebliche Gefahr geht vom Bouldersport aus. Zum einen werden kleine Balmen, die für klassische Klettererei völlig uninteressant sind, benutzt, z.B. bei Schirradorf, und zum anderen führt eine häufige Abdeckung des Bewuchses durch Bouldermatten, die immerhin eine Grundfläche von ca. 1,5 Quadratmetern haben, zu einer Belastung, die einen kleineren Asperugo-Bestand rasch zum Erlöschen bringen kann. Dabei wird deutlich, dass zwar die Beschattung den größten Anteil hat, dass aber der Klettersport, wenn man die beiden unterschiedlichen Formen (Bouldern und klassisches Klettern) zusammenfasst, als Rückgangsursache überwiegt. Dabei beansprucht das Bouldern die Felsdächer in deutlich größerem Ausmaß.

Förderung der Art

Um die Balmenflur in Oberfranken zu erhalten, sind Maßnahmen geboten, die hier nur kurz skizziert werden sollen. Aus den oben dargestellten Schadfaktoren leiten sich leicht Maßnahmen zur Erhaltung der Art im Untersuchungsgebiet ab. Da es sich um Kleinstandorte handelt, ist es bereits mit geringem finanziellen Aufwand möglich, relativ schnell relativ viel zu erreichen. Besonders gilt dies für eine möglichst zügig durchzuführende Sicherung von akut durch Beschattung oder Bouldern gefährdete Wuchsorte.

Klettern

Sofort durchführbare Maßnahmen, die durch einen relativ geringen Kommunikationsaufwand mit anderen Nutzern der betreffenden Gebiete geklärt werden können, sind in erster Linie ein Verbot des Boulderbetriebes an besonders bedeutsamen Standorten, z. B. bei Oberailsfeld die Balme mit der Route „Oberailsfelder Boulderblock“. Vor allem die noch guten Vorkommen im Raum Schirradorf müssen vor einer zu intensiven Kletteraktivität gesichert werden.

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Kommentar von Webmaster |

Meiner Meinung nach, überschätzt Herr Raab die Anzahl der aktiven Boulderer, die draußen unterwegs sind, gegenüber den klassischen Seil-Kletterern. Desweiteren wird eher in der kälteren Jahreszeit, also nicht in der Keimzeit der Pflanze, gebouldert. Im Sommer greifen viele Kletterer, die im Winter draußen bouldern, eher zum Seil. Da Herr Raab die anderen, weitaus größeren Faktoren, die für den Rückgang der Pflanze verantwortlich sind, nicht greifen kann, stürzt er sich auf eine Gruppe, die Kletterer, insplizit Boulderer, die durchaus reglementiert werden kann und wird. Der Boulderappell hat hier nach wie vor große Wirkung erzielt. Durch die nicht Veröffentlichung von Bouldergebieten, bleiben diese weitestgehend von einem Ansturm verschont. Hätten wir im Frankenjura, Situationen wie in Fontainebleau, oder dem Tessin, würde schon lang kein Stein mehr auf dem anderen stehen.